Babysitterkurs im Sommerferienprogramm der pro familia

Eine Idee und ein Erfahrungsbericht der pro familia Tübingen/Ingrid Löbner

Es fiel mir in der Arbeit mit Kindern vor der Pubertät immer wieder auf – bei Jungen weniger, bei Mädchen mehr – mit welcher Faszination und Begeisterung sie sich mit den Themen „Schwangerschaft, Babys kriegen, Babys haben, Babys versorgen“ befassen. „Was hat es damit auf sich?“ war einerseits meine Frage. Aber auch: „Warum nehmen wir das nicht ernster, warum geben wir dem nicht mehr Raum, den Kindern entsprechenden Raum?“ Meine Kollegin und ich beschlossen, das zu ändern und etwas Neues auszuprobieren. Wir hatten die Idee, Babysitterkurse anzubieten, für genau dieses Alter, wenn die Faszination an Babys so groß ist, für Kinder vor der Pubertät, also für Acht- bis Zwölfjährige.
Ein Babysitterkurs bot unseren Beobachtungen Raum in verschiedener Hinsicht:

  • Es konnte dabei konkret und ausführlich um alle Themen „rund ums Baby“ gehen.
  • Kinder konnten dem ihrem Alter entsprechenden Drang nachgeben, nämlich „was Richtiges“ zu lernen, also „wirkliche“ Fähigkeiten zu erwerben , die ihnen helfen, in die Realität des Großwerdens zu kommen
  • Sie sollten ein kleines „Diplom“ bekommen, das ausweist, was sie gelernt haben, dass sie etwas können, und das außerdem unterstreicht, dass man ihre Begeisterung für Babys wirklich richtig ernst nimmt.

Die Idee war geboren, unsere Vorbereitung ging los.

Die Suche nach einer guten Puppe war schwierig. Wir wollten schließlich nicht irgendeine Puppe, sondern ein liebenswertes Baby, das in seiner Ausstrahlung einem kleinen Baby so ähnlich wie irgend möglich sein sollte. Das war nicht so einfach, denn es gibt solche Puppen leider kaum mehr zu kaufen. Wir fanden schließlich eine ältere Puppe mit freundlichem Gesicht, so groß und richtig drei Kilogramm schwer wie ein wenige Wochen alter Säugling, mit hartem Kopf einerseits und stoffbezogenem Körper andrerseits, dazu gut beweglich an Kopf, Armen und Beinen.
Das Kind war gefunden, jetzt brauchten wir die Ausstattung drumherum: Kleidung, Körbchen, Windeln, Tücher, Schnuller etc.
Ich will nicht verhehlen, dass es uns Frauen selbst Spaß machte, uns um liebenswerte Babysachen zu kümmern.
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Wir hatten uns vorgenommen, während ca. sechs Stunden Kindern die Möglichkeit zu geben, Grundkenntnisse im Handling, Anziehen, Ausziehen, Wickeln, Betten und Tragen sowie Füttern von Babys zu erwerben. Ebenso mit ihnen der Frage nachzugehen: „Was tun, wenn ein Baby weint?“ Schließlich wollten wir zum Schluss noch etwas Zeit den Fragen widmen: „Wo kommen die Babies her? Wie werden sie geboren? Und wie ist das alles, wenn man selber groß wird und der Körper sich verändert?“

Wir schrieben den Kurs im Sommerferienprogramm der Stadt Tübingen aus und zwar ausdrücklich für Jungen und Mädchen. Eigene Baby-Puppen sollten gerne mitgebracht werden. Der Kurs war im Nu voll, und noch am Tag, als er stattfand, lief unser Telefon mit
weiteren Anfragen und Bitten um Aufnahme heiß. Wir ließen bei diesem ersten Kurs dreizehn Kinder teilnehmen: zwölf Mädchen und ein Junge waren angemeldet.

Wir begannen den Kurs mit einer Kennenlern-Runde, in der die Kinder sich und ihre mitgebrachten Puppen vorstellten und wir nachfragten, wie ihre Kinder heißen, was sie denn für Eigenheiten, Besonderheiten und Vorlieben haben. Einerseits waren sie überrascht, dass wir ihre Puppen wirklich so ernst nahmen und sie wie richtige Kinder behandelten, andrerseits erzählten sie dann im nächsten Moment voller Hingabe und mit strahlenden Augen über ihr alltägliches Leben mit dem Puppenkind, z.B. wo es schläft, was es am liebsten mag etc.etc. In der Mitte unserer Runde hatten wir ein Körbchen stehen, in dem unsere Baby-Puppe liebevoll, gemütlich gebettet war, und die durch ihre gute Beweglichkeit in ihrer Art dazuliegen anzuschauen war, als wäre sie ein ganz lebendiges kleines Baby.
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Diese Ausstrahlung der Puppe, als kleiner Säugling so „echt“ zu wirken, unterstrich von Anfang an die Ernsthaftigkeit von allem, was wir in den nächsten Stunden zusammen erfahren und lernen wollten. Dieser Puppe sah man es an: Es ging hier ganz offensichtlich um den ganz richtigen, ernsthaften Umgang mit Babys, und das gefiel den Kindern von Anfang an sehr, dass wir ihr Interesse an Babys so richtig bis ins Kleinste ernst nahmen. Unsere lange Suche nach einer guten Puppe hatte sich offensichtlich gelohnt.
Die Gruppe gemeinsam gab dem Kind erstmal einen Namen und dann fingen wir an und zeigten an ihr den Kindern die ersten Dinge:
Herausnehmen und Wiederhinlegen eines Babys, Pucken und Zudecken eines kleinen Kindes, und als nächstes die verschiedenen Möglichkeiten, ein Baby auf dem Arm zu halten und zu tragen. Anschließend durfte jedes Kind an dieser Puppe das Gezeigte ausprobieren und üben. Da die Puppe in Bewegung des Kopfes (er muss bei ihr gehalten werden wie bei einem ganz kleinen Kind), in Bewegung des Körpers, im Gewicht und in ihrer Ausstrahlung lebensecht wirkt, konnten die Kinder sehr reell üben. Und sie übten von Anfang an mit hoher Konzentration, großem Ernst und großem Eifer!
Ebenso eifrig wurde das Wickeln und das An – und Ausziehen geübt. Wir hatten zwei Wickelplätze eingerichtet (dabei auch hier auf alles wie „in echt“, also wie bei richtigen Säuglingen großen Wert gelegt), teilten die Kinder in zwei Gruppen und jede von uns zeigte den Kindern an einem der Plätze am Baby ganz genau das An- und Ausziehen, die unterschiedlichen Wickelmethoden und wie man mit dem Baby beim Wickeln achtsam und behutsam umgeht. (Wir hatten noch eine zweite, ebenfalls original schwere, nicht ganz so bewegliche Babypuppe gefunden, an der man üben konnte). Auch redeten wir mit dem Baby und über das Baby ganz wie mit einem lebendigen Kind, was die Kinder darin unterstützte, behutsam und einfühlsam bei allem Tun zu sein.

In punkto Ernährung war Stillen natürlich das Thema Nr.1, verbunden mit diesem unglaublich tollen Phänomen, dass die erste Nahrung für Babys aus dem Busen der Mama kommt. Dennoch übten wir auch (damit die Kinder auch ein bisschen füttern durften!), wie man einem Baby die Flasche mit Tee gibt, wie man die richtige Temperatur feststellt und wie man das Kind dann hält und füttert.
Die Kinder selbst sollten auch einen Genuss haben: Zu Mittag gab es als Nachtisch echten Babybrei, den sie mit Wonne verschlangen.
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Für ein bis zwei Stunden hatten wir die klassisch sexualpädagogischen Themen vorgesehen:
Wie kommen Babies auf die Welt? Wo kommen sie her? Dazu: Was passiert mit mir alles, wenn ich bald groß werde? Die Kinder waren sofort unendlich gelangweilt und beteten uns fade ihr Wissen vor. Angesichts dieser Langeweile fragten wir, was sie denn interessiert, und sofort forderten sie uns auf, mit ihnen noch einmal und immer wieder alles Gelernte am Baby zu üben. Für den Rest der Kurs-Zeit wurden also noch einmal die Puppenkinder an- und ausgezogen, gebettet, gefüttert und mit viel Hingabe und Achtsamkeit herumgetragen.

Zum Ende des Kurses besprachen wir schließlich die Rahmenbedingungen des Sittens: Wie lange sie sich etwa zutrauten, auf ein Kind aufzupassen (die Kinder hatten interessanterweise sehr realistische, ihrem Alter entsprechende Vorstellungen, also: Die Jüngeren wollten nur im Beisein der Mama auf ein Baby aufpassen, die Größeren konnten sich eine, die Zwölfjährigen auch zwei Stunden vorstellen); außerdem, was sie fürs Babysitten an Geld bekommen könnten (in dem Alter kleine Beträge!). Schließlich hatten die Kinder selbst die Idee, dass sie, bevor sie das Zertifikat bekämen, noch einmal jedes zeigen könnten, was sie gelernt hatten. Und so machten wir sogar noch eine kleine Abschluss“prüfung“, in der jedes Kind Gelegenheit bekam, einen Teil dessen den andern vorzuführen, was wir geübt hatten; außerdem auch was dazu zu sagen, was wir besprochen hatten, warum wir es dem Baby zuliebe eher so und nicht anders machen.
Zum Abschluss sangen wir noch ein, zwei Schlaf- und Wiegenlieder und dann teilten wir die Diplome aus Dazu hatten wir noch eine kleine Mappe gemacht, in der sie ein Rezept für Babybrei zum Selberkochen fanden, Blätter mit bekannten Schlaf- und Wiegenliedern, und eine Geschichte, die von einer besonderen Puppe erzählt. Sehr zufrieden – und unserem Eindruck nach sehr glücklich – verabschiedeten sie sich und zogen mit ihren Puppen auf dem Arm wieder nach Hause.
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Seit diesem ersten Kurs wiederholen wir es jedes Jahr im Sommerferienprogramm der Stadt Tübingen - und jedes Jahr sind wir absolut ausgebucht.

Ich möchte ein paar unserer Hintergrund – Überlegungen zu diesem Angebot für Kinder beschreiben:
Das Baby und die Puppe sind greifbarer und sichtbarer Ausdruck weiblicher Potenz. Baby und Puppe verkörpern, was ein weiblicher Körper kann. Dies erklärt für mich wesentlich, warum sich Mädchen in aller Regel häufiger und andauernder mit Babys und Puppen befassen als Jungen. Mädchen setzen sich über das Puppenspiel mit ihrem weiblichen, ihrem körperlichen und inneren Potential auseinander (Nicht alle, aber sehr viele Mädchen tun es.)
Oft tauchen beim Spiel mit Puppen auch die Themen Schwangerschaft und Geburt auf. Alle, die viel Gelegenheit haben, kindliches Rollenspiel zu beobachten, bestätigen, dass die Mädchen durchaus auch schwanger sind und ihr (Puppen-) Kind zur Welt bringen. So lange sie spielen, denken sie darüber nicht, sondern handeln im Spiel intuitiv, gefühlvoll und voller Hingabe.
Es scheint mir die Weisheit der Psyche zu sein: Bevor Mädchen in die Pubertät kommen, also selbst in die Lage kommen, Mutter werden zu können, haben sehr viele von ihnen an allen Themen rund um Babys und kleine Kinder großes Interesse, Freude und Faszination. Dann saugen sie alles regelrecht in sich auf und machen sich vertraut und geübt im Spiel, als wollten sie sich unbewusst bzw. halbbewusst auf Kommendes vorbereiten.
Jungen sind manchmal ähnlich fasziniert, aber eben seltener – ihr Körper trägt dieses Potential nicht in sich. Es zeigt sich in unseren Kursen: Obwohl immer für beide Geschlechter ausgeschrieben, meldet sich ganz selten mal ein Junge an.

Wir wollen mit diesem Angebot auch das „Puppen-Spielen“ aufwerten. Es ist als etwas Traditionelles und Altmodisches leicht in Verruf geraten. Mädchen werden heute durch Zugang zu Technik, Computer und Selbstverteidigung gefördert und gestärkt. Dass sie mit ihrem Interesse für Säuglinge, mit ihrer Freude am Puppenspiel eine enorm wichtige Seite ihrer weiblichen Intuition leben, wesentliches Wissen und Können und wesentliche Fähigkeiten einüben, wird heute wenig erkannt. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Jungen – wenn sie mit Puppen spielen.
Kinderärzte und Hebammen singen ein Lied davon, wie unendlich weit weg sich Erwachsene fühlen von dem, was ihr erstes Kind plötzlich von ihnen verlangt, und wie schwer ihnen die Umstellung auf das Leben mit einem kleinen Kind fällt. „Baby-Schock“ wird dieses Phänomen in der Fachwelt genannt. Es scheint mir ein wichtiger Teil und Sinn des kindlichen Spielens mit Puppen zu sein, dass dadurch der innere Zugang zu diesem elementaren, menschlichen Lebensbereich besser erhalten bleibt.

Wir waren bei unserem ersten Kurs verblüfft, dass die Kinder keinerlei Lust hatten, über das Thema Schwangerschaft, Geburt, Zeugung etc. zu reden. Ein Grund ihrer Langeweile war sicherlich die Tatsache, dass sie durch Schule und Elternhaus vieles wussten.
Aber in der Tiefe sind es andere Gründe: Schwangerschaft und Geburt zu spielen, mit Baby-Puppen handelnd umzugehen, dabei etwas „Echtes“ zu lernen, ist um ein Vielfaches spannender und sinnlicher, im Sinne von „mit allen Sinnen erlebbar“, als das Reden über diese Vorgänge. Das Spiel mit und das Lernen an Puppen ist konkret, gefühl- und lustvoll und damit faszinierend.
Und es kommt dem Bedürfnis dieses Alters, sich durchs Spiel in ein wichtiges Thema zu versenken, sehr entgegen; sich gleichzeitig aber auch wesentliche Fähigkeiten anzueignen, mit denen man im Leben der Erwachsenen ein bisschen ernster genommen wird. Beides: Noch richtig intensiv zu spielen und andrerseits etwas „Richtiges“ zu lernen sind zentrale Entwicklungs-Bedürfnisse von Kindern dieses Alters.
Um beidem gerecht zu werden, ist uns in allem das „ganz Echte“ einerseits so wichtig, also das Erlebnis, dass wir das Interesse der Kinder, ihre Begeisterung und ihr Lernen gerade in diesem spielerischen „So tun als ob“ aufgreifen; andrerseits dass wir die Puppen als lebendig ernst nehmen und damit die kindliche Fähigkeit zu spielen bestärken und unterstreichen. Auf diese Weise nehmen die Kinder alles, was wir ihnen zeigen, mehr durch Intuition und Gefühl auf und weniger über Intellekt und Verstand. Wir sind sicher (und nach allem was wir aus der Hirnforschung wissen, scheinen wir uns da nicht zu täuschen), dass z.B. durch solch eine Art Baby-Kurs das Gefühl und die Intuition in den Kindern im Umgang mit Babys bleibend gestärkt wird – und das ist es, was wir für ihre Zukunft als Frauen, als Männer, als Gebärende, als Eltern wollen.
Dass sie sich noch so sehr intuitiv auf ihr Gefühl einlassen, klappt so nur bei Kindern gut, so lange sie noch im „Spielalter“ sind, also noch vor der Pubertät, denn dann fallen sie in die Gefühlsseite des Lebens gewissermaßen noch automatisch mit hinein. Indem wir es alles „wie in echt“ machen, den ganzen Nachmittag so mit ihnen und den Puppen umgehen und von ihnen sprechen (Z.B. wenn wir Essens-Pause machen, ist jedes Puppen-Baby gut versorgt, entweder auf einem Arm oder in einem der Bettchen. Keine Puppe würde je unachtsam auf dem Boden liegen, geschweige denn auf einem der Wickeltische!!), machen es die Kinder aus ihrer Spiel- Fähigkeit heraus automatisch ganz genau so. Sie lernen auf diese Weise alles Gezeigte sehr leicht und nehmen es mit geradezu andächtiger Aufmerksamkeit in sich auf.
Wir Erwachsenen sind jedes Mal bei jedem Kurs immer wieder von neuem fasziniert, mit welch tiefem Ernst und hoher Lernbereitschaft Kinder diesen Alters die Puppen-Babys behandeln und versorgen. (1)

(1)Ältere Kinder genieren sich viel mehr, können weniger über ihr Gefühl gehen, weil ihr Vernünftigsein schon stark mitarbeitet und ihnen der Verstand mit kritischer Betrachtung bei solchem Tun viel mehr dazwischen kommt. Natürlich können größere Kinder und Jugendliche auch Babysitterkurse machen und damit Wichtiges zum Babysitten lernen, aber ein Kurs für Größere ist ein völlig anderer Weg. Kurse für Größere muss man anders gestalten, man kann diesen Modus des „So tun als ob“ nicht mehr als Methode einsetzen. Gerade die intuitive Seite im Umgang mit Babys, die wir stärken möchten, ist dann nicht mehr so spielend leicht zu erreichen. Wann immer sich bei uns ein Kind im Kurs verirrt, das schon in der Pubertät ist, dem ist das alles, was wir machen, dann zu peinlich, weil es als schon Jugendliche diesen verspielten und doch ernsten Zugang eines Kindes nicht mehr zur Verfügung hat.


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Ein weiterer Grund für die Faszination der Kinder ist, dass der Umgang mit Babys und Puppen die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen nach „Klein-Sein“, „Umsorgt-Werden“, „Behütet- und Beheimatet-Sein“ bietet. Im Spiel können sie wieder ins eigene Klein-Sein zurückgehen. Wie oft haben wir es in den Kursen erlebt, dass sie in der Zwischenzeit Vater-Mutter-Kind-Rollenspiele anfangen, oder z.B., dass sie plötzlich selber alle wieder eine Flasche haben wollten, um daran ein Weilchen zu nuckeln! Wir haben inzwischen einen regelrechten Flaschenvorrat für den Fall der Fälle!!

Ganz ab und zu kommt bei den Nachmittagen, wenn wir so überm Babywickeln, Baby An- und Ausziehen sind, das Gespräch auch auf das Gebären und die Geburt. Und wir reden dann mit den Kindern so ganz nebenbei ein bisschen drüber, über dieses und jenes was sie interessiert und was sie schon wissen oder noch wissen möchten. Aber wir tun es eben nebenbei – wie es eben oft geht im Leben, wenn Themen besonders interessant, aber auch besonders heikel und auch ängstigend sind. Je mehr sie so ganz unabsichtlich, ein bisschen im Stillen mitbesprochen werden, umso eher wagt man sich an das Heikle und Ängstigende dran, umso besser verkraftet man auch oft die schwierigen Seiten da drin. Das Thema Geburt kommt dann nicht so „laut“ und „absichtlich“ daher – sondern leiser und mehr „by the way“, etwas, was Kindern in diesem Alter unsrer Erfahrung nach sehr entgegen kommt
Letztlich haben es mich die Kinder gelehrt, dass sie so nebenbei schon mal von sich aus über Geburt reden mögen, aber eben am liebsten höchstens nebenbei, wenn wir alle uns gerade als „richtige Mütter“ um unsre Kinder kümmern....

Kinderärzte und Hebammen, die von unserem Angebot erfuhren, bestätigten uns sehr. Ein Kinderarzt sagte nach dem ersten Kurs lachend: „Das nächste Mal sag` mir Bescheid, dann finden wir Mütter mit richtigen Babys, damit die Kinder ganz echt üben können.“

Uns ging es von Anfang nicht darum, mit dieser Art „Babysitterkurs“ vor allem Babysitter auszubilden, die dann schon ganz alleine und selbstständig die Abwesenheit von Eltern ersetzen können. Um das zu meistern, sollten Babysitter älter sein als unsere Kursteilnehmer/innen.
Aber die Erfahrung der Jahre, die Begeisterung der Kinder bestätigt uns jedes Mal, dass es gut ist, Kindern gerade über solch einen Kurs, durch diese Mischung aus Spiel und Ernst die Gewissheit zu geben, dass ihre Freude an Babys und am Puppenspiel etwas Ernstzunehmendes ist und sie sich darin bestärkt fühlen sollen. Das ist es, was wir beabsichtigen.
Wie oft kommen sie –wie coole Kinder der heutigen coolen Zeit eben- mit ihren Puppen kopfüber, irgendwie in die Tasche gestopft, hier an . Und innerhalb kurzer Zeit verwandeln sie sich – tragen ihr Baby behutsam durch die Gegend, und gehen schließlich mit ihrem Puppenkind liebevoll auf dem Arm am Ende aus der Tür.
Von Eltern bekommen wir immer wieder die Rückmeldung, dass sie hingebungsvoll anschließend alles zu Hause weiter spielen....
Das ist es, was wir wollen und uns wünschen, und warum wir diese Kurse unbedingt für Kinder vor der Pubertät anbieten.

Ehrlich gesagt: Uns rührt es jedes Jahr von Neuem, wenn wir innerhalb kürzester Zeit die Verwandlung von etwas coolen Kindern zu hingebungsvollen Müttern und Vätern erleben..

pro familia Tübingen Ingrid Löbner
veröffentlicht in: E.Schneider (Hrsg.): „Hebammen an Schulen“, Frankfurt 2008

Paar Dinge, die bei der Planung helfen:

Beispiel für einen Ausschreibungstext „Babysitterkurs“ im Sommerferienprogramm
„Mögt Ihr gerne Babys und habt Ihr Spaß, ab und zu Babys zu hüten und zu versorgen? Wer daran Freude hat, kann sich bei uns einen Nachmittag lang zeigen lassen, was wichtig ist – was ein Baby alles braucht, wie man ein Baby hält, wie man es füttert oder wickelt. Und was macht man eigentlich, wenn ein Baby weint? Fragen über Fragen und wir zeigen Euch, wie es gehen kann.
Eure eigenen Puppenbabys dürft Ihr gerne (auch im Wagen) mitbringen. Wir freuen uns auf Euch!“ (© Löbner)

N.N/ N.N., dazu evtl die anbietende Institution

Gruppengröße:
Am besten pro erwachsener Person nur 4 bis 5 Kinder, denn die Anleitung bei Handling und Wickeln braucht Zeit und sonst warten die einzelnen zu lange, bis sie beim Üben unter Anleitung wieder dran kommen.

Ausstattung:
-Schöne Babysachen zum An-und Ausziehen (Kinder lieben es, die Babys schön anzuziehen)
Unterschiedliche Wickelsysteme (Die Kinder bestehen drauf, auch Komplizierteres zu lernen, nicht auschließlich das Wickeln mit Pampers, das haben sie uns gelehrt)

  • Moltontücher und Babydecken, um das Pucken zu zeigen
  • Außer den „offiziellen Wickelplätzen“ braucht es zusätzliche (z.B. Matratzen, Sofas), damit die Kinder , die gerade nicht angeleitet werden, mit ihren Puppen auch weiter üben können.
  • Mindestens ein schönes, gemütliches Körbchen.
  • Eine Puppe, die liebenswert in der Ausstrahlung ist, gut schwer (das unterstreicht beim Handling das Gefühl von „echtem Kind“

sehr!) und beweglich. Stoffkörper sind fürs An- und Ausziehen dem Lebensechten näher als Plastikkörper, sprich: es geht viel besser!
Kinder lieben es sehr, wenn man das Zarte eines kleinen Kindes durch die Zartheit der Ausstattung unterstreicht: Also, wer mag – ruhig zu Rosa, Hellblau und auch Rüschen greifen...Kinder haben es unsrer Erfahrung nach gerne, wenn es bisschen zauberhaft aussieht.

  • Ein Platz, an dem Babynahrung in Flaschen (nur Tee) und als Brei zubereitet werden kann.

(Seien Sie als Hebamme nicht zu streng: Stillen ist super – aber Kinder füttern so gerne und haben nun mal nur eine Tee- Flasche, wo richtig was rauskommt und man dem Baby was geben kann)

  • Kosten:

Wir (pro familia Tübingen) spenden diese Kurse dem Sommerferienprogramm Tübingen.
Der Veranstalter erhebt einen Unkostenbeitrag für die Materialkosten von ca.2,--Euro pro Kind.
Es ist mit diesem Angebot kein Geld zu machen, aber man macht Kinder sehr glücklich damit.

Ingrid Löbner, pro familia Tübingen, Hechingerstr.8, 72072 Tübingen,
www.schreibaby-beratung.de