Tipps für "neue" Eltern

Liebe werdende und „neugeborene“ Eltern:

mit der Ankunft Ihres ersten Kindes werden Sie in sehr neue Welten abtauchen. Da die meisten Erwachsenen kaum noch Vorerfahrungen mit kleinen Babies haben, eigentlich nie und nirgends ein bisschen üben konnten, fängt man mit allem ganz von vorne an.

Als die Freunde ihr erstes Kind bekamen, dachte man vielleicht noch: „Meine Güte, stellen die sich an! Mit nichts anderem mehr beschäftigt als mit Schnuller, Stillen und vollen Windeln. Als ob Kinderkriegen so schwierig wäre ....“

Tja - und dann erwischt es einen selbst und man wundert sich und schämt sich auch ein bisschen, dass plötzlich wirklich alles, aber auch alles sich ums Stillen, um Schnuller ja oder nein, um Einschlafprobleme, um volle oder weniger volle Windeln, um Bauchweh, Busenweh, Geschrei und noch mal Geschrei und wieder Geschrei ... dreht.

Mama total erschöpft, Papa auch erschöpft, Freunde und Verwandtschaft nerven mit Besuchen ohne Hilfe, aber mit guten Ratschlägen. Man selbst, als Mama und Papa, fühlt sich elend, voller Versagensgefühle, manchmal auch wütend, nicht zuletzt vielleicht sogar wütend auf dieses kleine Wesen, das alles plötzlich so anstrengend und kompliziert macht. Was ist eigentlich los? Wieso kann dieser Winzling frisch gewickelt und genährt nicht einfach tief und fest stundenlang schlafen, um dann lächelnd nach der nächsten Mahlzeit zu verlangen? So hatte man sich das vorgestellt und so, bitte schön, wäre man auch die beste Mama, der beste Papa der Welt.

Aber nein! Mal trinkt das Kind wenig und schläft gleich wieder, mal trinkt es unendlich viel und gibt Mama das Gefühl, dass ihr Busen erbärmlich wenig hergibt. Mal kommt das Bäuerchen gleich, das nächste Mal lässt es ewig auf sich warten. Dann schläft das Baby beim Stillen ein und wiegt Mama in dem Glauben, gleich könne sie in Ruhe unter die Dusche gehen, drei Stunden lang all das tun, was dauernd liegen bleibt. Aber kaum rührt sie sich und wagt, das Kindchen zur Seite zu legen - da schreit es los und beruhigt sich für zwei Stunden überhaupt nicht mehr. Mama läuft mit ihm auf und ab, halb mitfühlend geduldig bei all dem Wehgeschrei, halb nervös und entkräftet, denn eigentlich wollte sie doch so dringend anderes tun. Und überhaupt: Gegessen und getrunken hat sie heute auch noch nichts.

Nach einer Stunde übernimmt Papa. Er ist zunächst erfolgreich und schon fast siegessicher strahlt er die Mama an, aber nach 10 Minuten geht das Quengeln los und auch er läuft unendliche Strecken in der Wohnung auf und ab, ohne dass wirklich Ruhe einkehrt. Mama versucht derweil schnell zu duschen, einen Happen zu essen, um dann noch endlich, endlich einen Moment zu schlafen. Aber mit Geschrei im Ohr will die Erholung nicht klappen und schon sind wieder zwei Stunden um - das Kind muss gestillt werden.
Also, das ganze von vorne.
So geht es tags, so geht es nachts und man stellt entkräftet fest: So hatte man sich das junge, neue Glück ganz und gar nicht vorgestellt! Und das Allerschlimmste: die Liebe will sich nicht recht einstellen oder nimmt sogar Schaden dabei. Man zweifelt an sich selbst, am Partner/der Partnerin, am Kind und ist im Innersten über sich selbst entsetzt, dass sich solche Abgründe auftun können: der Erschöpfung, der Teilnahmslosigkeit, der Lustlosigkeit und auch der Freudlosigkeit gegenüber denjenigen, mit denen man dieses Abenteuer doch mit Bravour und Elan bestehen wollte.

Zuallererst:

All diese Gefühle und Erfahrungen sind häufig und insofern sehr normal. Sie stellen sich nicht schlechter an, als andere junge Eltern. Das Problem ist eher: Eltern sind heute ohne Vorerfahrungen und in all den neuen Anforderungen auch ohne gute Vorbereitung. Und: Eltern sind in ihren vier Wänden mit all dem Geschehen heute sehr alleine. Im Leben mit Säuglingen und Kleinkindern kann die Kleinfamilie manchmal ein Gefängnis sein, ziemlich ungeeignet, um all das Neue zu begreifen und zu bewältigen. Man braucht als junge, „neugeborene“ Eltern Hilfe. In verschiedenster Hinsicht - und hier seien ein paar Dinge genannt, die hilfreich sein können:

Erstens: Sie brauchen Hilfe im Haushalt

Es ist gut und eigentlich unbedingt notwendig, für die erste Zeit nach der Geburt jemanden zu Hause zu haben, der kocht, putzt, wäscht, einkauft etc.

Man meint vor der Geburt, man schaffe das alles schnell wieder selbst, bzw. der Partner fasst mit an und macht schon alles. Aber das ist aller Erfahrung nach ein Irrtum.

Zum einen kann die Geburt anstrengender und kraftraubender sein, als man dachte und dann braucht man u. U. einfach lange, bis man wieder zu Kräften kommt. Gebären ist Arbeit, manchmal härtere Arbeit, und dann braucht die Frau anschließend Pflege und Ruhe, damit sie sich körperlich und psychisch erholt, Kraft tankt, die Energie zurückkommt. Das dauert meist mehrere Wochen.

Zum anderen sind Väter sehr oft von allem Geschehen mehr mitgenommen, als sie zuvor dachten und brauchen auch Zeit, um sich von der psychischen Geburt des Vaterwerdens zu erholen. Das ist normal und menschlich. Dazuhin sollten sie Zeit und Ruhe haben für ihre Frau und das Kind. Wenn sie zu sehr mit Haushalt, Einkaufen und sonstiger Arbeit beschäftigt sind, sind sie auch schnell am Rande der Erschöpfung.

Also: unbedingt jemanden bitten, der mindestens zehn Tage, besser noch länger, die Grundversorgung übernehmen kann, so dass beide Elternteile nicht ans Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen denken müssen. Ideal sind gute Freunde oder gute, liebevolle Eltern oder Geschwister. Im Notfall bekommt man auch über Sozialdienste eine sogenannte „Familienhilfe“. Allerdings sind diese Kräfte rar - daher wird allgemein empfohlen, sich selbst jemanden zu suchen. Bei Nicht-Verwandten bezahlt die Krankenkasse für zehn Tage einen Tagessatz (ca. 110,- DM). Aber das Wochenbett dauert länger als zehn Tage. Man spricht in Fachkreisen von mindestens 6 Wochen!

Da heute kaum mehr jemand so lange Zeit hat, jemand anderen zu versorgen, ist es sinnvoll, mit guten Freunden oder auch netten Nachbarn oder der Familie eine weitere Grundversorgung abzusprechen. Z. B., dass jemand immer mit einkauft, oder für einige Zeit die Wäsche mitversorgt, oder einmal die Woche manche Putzarbeit übernimmt, oder jeden zweiten Tag mitkocht etc..

Entlastung der neugeborenen Eltern ist ein ganz wichtiger Punkt und sollte vor der Geburt geplant und gut organisiert werden. Wenn man sich in Grunddingen versorgt weiß, kann man eher loslassen, entspannen und wieder zu Kräften kommen. Für junge Mütter, aber auch Väter, elementar wichtig!

Zweitens: Sie können- neben ärztlicher Hilfe - eine Hebamme beanspruchen.

Es macht Sinn, sich während der Schwangerschaft eine gute, erfahrene, tatkräftige Hebamme zu suchen. Zu empfehlen ist, bei dieser Hebamme die Geburtsvorbereitung zu machen, dann lernt man sich in den Wochen vor der Geburt kennen und stellt sich innerlich schon aufeinander ein.

Für die Zeit des Wochenbetts ist eine Hebamme, die zum Hausbesuch kommt, ein großer Segen. Sie steht einem mit Rat und Tat zur Seite und auch mit Trost, wenn die Stunden des Zweifels und des Verzweifelns kommen. Da man als „neugeborene“ Mutter selbst noch einmal bedürftig, schwach, verletzlich wird, ist man froh um eine Frau, die dieser Bedürftigkeit, Schwäche und Verletzlichkeit gewachsen ist und einen darin innerlich hält und aushält. Warmherzigkeit ist also ein wichtiges Moment bei der Suche nach der geeigneten Hebamme; dass Sie sich mit ihr wohl fühlen.

Darüber hinaus sind Hebammen gut ausgebildete Fachfrauen, die mit all den Startschwierigkeiten im Leben mit einem Neugeborenen vertraut sind. Im allgemeinen kennen sie viele Heil- und Hilfsmittel, die das Stillen fördern und erleichtern, und die die Geburtswunden bei der Frau schneller heilen lassen.
Für die Suche höre man sich bei Freunden um. Ansonsten kann man auf Listen zurückgreifen, die es bei den Krankenkassen oder auch bei Schwangeren- Beratungsstellen gibt.
Man kann mit einer Hebamme ein erstes Gespräch führen - dies mit mehreren - und kann sich dann erst für eine entscheiden.

Drittens: Sie sollten mit Säugling nicht zu viel alleine sein

Neben aller Ruhe, die man als Mama/Papa zur Erholung braucht - man braucht auch Gesellschaft. Wie meinte eine junge Mutter: „Mein Sohn braucht Salon-Atmosphäre, dann geht es ihm am besten.“

Das stimmt. Säuglinge entspannen sich eher, wenn um sie herum allgemeines Alltagsleben, Stimmen, ruhige Betriebsamkeit, nette Gespräche etc. sind. Je mehr sich gelöste, freundliche, allgemein nette Alltags-Atmosphäre um das Kind und seine Eltern ausbreitet, umso mehr lässt das Baby sich „einlullen“ von all dem Geschehen und wird ruhiger.

Man kann sagen: Es ist mühsam, mit einem noch unruhigen Säugling in einer Wohnung allein die Tage zubringen zu müssen. Es bauen sich Spannungen auf, die oft in Bauchweh und Geschrei beim Kind und in Erschöpfung und Genervt-Sein bei der Mutter/den Eltern enden.

Also: Entweder freundliche, liebevolle und verständnisvolle Gesellschaft in die eigene Wohnung holen, um zu plaudern, aber auch um sich zu entlasten, um das Baby abzugeben und zwischendurch zum Schlafen zu kommen. (Viel Schlaf, wie auch das Bedürfnis nach Abschalten und „innerliches Wegtauchen“ ist für Mütter in dieser Zeit normal und zur Erholung notwendig. Junge Mütter sind ein bisschen in einer anderen Welt und das darf auch so sein.).

Oder aber zu anderen Leuten hingehen, gute Freunde und Familie besuchen und mit denen die Tage verbringen. Dabei sich versorgen und unbedingt entlasten lassen. Das tut gut, entspannt - und dann entspannt auch leichter das Kind.

Viertens: Die 1000 Tipps bei Bauchweh - und nichts hilft!

Bauchweh und Blähungen. Was tun?
Blähungen und Bauchschmerzen entstehen aus einem Gemisch verschiedener Ursachen und Faktoren. Es sind nicht einfach körperliche Beschwerden. Die Bauchschmerzen beim Baby sind Ausdruck dafür, dass irgendetwas nicht gut im Lot ist und das Kind nicht zur Entspannung kommt. In der Regel sind es mehrere Dinge, innere und äußere Spannungszustände bei Eltern und Kind, die sich im Bauchweh beim Säugling ausdrücken. Es ist gut, sich Hilfe zu holen, um den verschiedenen Ursachen auf die Spur zu kommen. Wer ein Kind mit viel Bauchweh und anhaltendem Schreien oder Quengeln hat (das aber sonst laut Kinderarzt gesund ist), kann Hilfe bekommen. Die berühmten 3-Monats-Koliken muß man nicht nur aushalten. Man kann im Einzelfall Verschiedenes tun, damit es Eltern und Kind schneller ruhig und gut geht.

Fünftens: Nicht so viel Babyausstattung - aber ein paar wichtige Dinge;
Es braucht gar nicht so viel, aber ein paar Dinge sind wichtig:

  • Ein unruhiges Kind darf man getrost an einen Schnuller gewöhnen. Säuglinge müssen viel saugen. Ihr ganzes Nervensystem wird übers Saugen beruhigt. Ein Schnuller entlastet Mamas Busen und hilft dem Kind enorm, sich besser zu beruhigen. Mit manchen Kindern muss man ein bisschen „üben“, d. h. den Schnuller immer und immer wieder anbieten, bis sie ihn im Mund behalten und zu nuckeln beginnen.
  • Gut hinspüren, ob ein Kind dem Wetter gemäß angemessen gekleidet ist. Säuglinge sollen nicht schwitzen.

Aber: Ein unruhiger Säugling braucht angemessene Wärme und Begrenzung. Im Winter ist die übliche Baby-Baumwollkleidung u. U. zu weit und zu dünn, um das Kind ausreichend zu wärmen. Säuglinge brauchen bei kalten Außentemperaturen Kleidung, die auf der Haut anliegt, und die wärmt. Kalte Hände und kalte Füße, ebenso eventuell Schluckauf, sind Anzeichen, dass das Kind nicht genügend warm gekleidet ist.
Wenn Säuglinge latent kalte Glieder haben, sind sie unruhiger, zappeln mehr (um sich zu wärmen!), können weniger gut entspannen und loslassen. Wärme beruhigt. Das ganz kleine Kind wird auch ruhiger, wenn es sich fest eingepackt fühlt - in eine Decke, im Tragetuch, in einem „Nestchen“ im Bett. Säuglinge brauchen das Gefühl von Begrenzung durch Kleidung, Decken, Trageformen - eben so, wie sie im Bauch auch Begrenzung, Wärme und Halt spürten.

  • Säuglinge (aber auch Kleinkinder) mögen einen Kinderwagen (später Sportwagen), der Geborgenheit vermittelt und beim Fahren den Blick zur Mutter/zum Vater zulässt. Häufig sind Säuglinge von zu vielen Reizen (Lärm, Verkehr ...) überfordert und es ist dann gut, sie beim Fahren durch die Stadt etwas abzuschirmen. Aber auch Kleinkindern ist es zeitweise zu viel, was auf sie einströmt. Daher ist der Kinderwagen, bzw. Sportwagen, mit Blick des Kindes zum Fahrenden immer die bessere Wahl. Der/die Fahrende ist dann wie ein vertrauter „Fixpunkt“ im Trubel des Geschehens. Mama/Papa zu sehen, macht Spaß und beruhigt, wenn es drum herum zu anstrengend wird.
  • Säuglinge brauchen kein eigenes Zimmer, aber ein Plätzchen, wo sie sich beheimatet und wohlig fühlen (in der Zeit, in der sie nicht auf dem Arm sind).

Nachts schlafen Babies am liebsten bei Mama und Papa im Bett, weil man die Eltern dann spürt und riecht. Für tagsüber empfiehlt sich zwischendurch ein Bettchen mit Rädern. Darin kann man das Kind manchmal etwas hin und herfahren, z. B. wenn es einschlafen soll und will. Und man kann das Bettchen immer dorthin fahren, wo man sich gerade aufhält. Säuglinge lieben es, in unmittelbarer Nähe der Eltern und Geschwister zu sein. Da, wo sich das Leben, der Alltag abspielt, da liegen sie in ihrem Bettchen und haben Anteil. So finden sie eher in Entspannung und Ruhe. Natürlich kann das Kind auch nachts in seinem Bettchen schlafen, wenn dabei Eltern und Kind besser zur Ruhe kommen und tiefer schlafen können.

Wir wünschen einen guten Start!

Sie bekommen gerne Beratung und Hilfe bei Ingrid Löbner,
Hilfe und Beratung bei „Schreibabies“
Ingrid Löbner
pro familia Tübingen, Hechingerstr.8,
Tel.07071/34151;
i.loebner@profamilia-tuebingen.de
Schreibaby-Beratung im Web

I. Löbner, Dipl. Päd., Psychoanalyt.Familien -u.Lebensberaterin.
Zusatzausbildung bei P.D. Dr. med. M. Papoušek in der
„Münchner Sprechstunde für Schreibabies“

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