Pornographie

Pornografischen Seiten im Internet

Kurze Stellungnahme zur öffentlichen Diskussion über die Auswirkungen des Konsums von pornografischen Seiten im Internet auf Jugendliche aus sexualpädagogischer Sicht. von Clemens Zeller (Auszüge)

Im Rahmen unserer Arbeit als Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen für Jugendliche sind wir für Jugendliche AnsprechpartnerInnen zu allen Fragen der Sexualität. Aufgrund unserer eigenen Erfahrung mit den Jugendlichen, sowie des aktuellen Forschungsstands lässt sich folgende fachliche Einschätzung geben zu der aktuellen, öffentlich geführten Debatte über die Auswirkungen des zunehmenden Konsums pornografischer Medien, insbesondere der hier einschlägig bekannten Seiten im Internet (z.B. youporn), auf Jugendliche.

Kein Grund zur Dramatisierung

Angesichts dramatisch zugespitzter Aussagen in Medien und in der Literatur ist es wichtig festzustellen:

  • Der aktuelle Forschungsstand rechtfertigt eine solche Dramatisierung nicht!
  • Die Diskussion ist ideologisch aufgeladen. Die Aufregung ergibt sich mehr aus der eigenen Betroffenheit der Erwachsenen als aus einer dramatischen Veränderung in der Entwicklung der Jungen (so sieht der bekannte Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt in der aktuellen öffentlichen Diskussion mehr die „Phantasmen der Alten“ als tatsächlich die „Fantasien der Jungen“ am Werk. Lit. 1).
  • Eine solche ideologische Aufladung erschwert eine sachliche Auseinandersetzung und in der Konsequenz einen angemessenen Umgang mit den Jugendlichen.

Da die Dramatisierung sich bereits an dem Begriff „Pornografie“ entzündet, empfehlen wir mit dem niederländischen Forschungsteam Peter und Valkenburg diesen zu ersetzen durch „Sexually Explicit Internet Material“, im Folgenden als SEIM abgekürzt. Zwar spielen bei Jugendlichen auch andere Medien eine Rolle, jedoch ist die steigende Verfügbarkeit des Internets nahezu ausschließlich für den steigenden Konsum solchen Materials verantwortlich.

Die Auswirkungen nicht zu dramatisieren bedeutet im Umkehrschluss selbstverständlich nicht, den festzustellenden zunehmenden Konsum von SEIM bei Jugendlichen nicht ernst zu nehmen oder gar zu verharmlosen, ihn nicht im Rahmen von unseren Veranstaltungen zu thematisieren und damit fachlich-pädagogisch umzugehen.(....)

Anforderungen angesichts der Forschungsergebnisse an die Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen

In unserer Arbeit zeigt sich, dass wir einflussreich (....)dann bleiben, wenn wir einen geschützten Rahmen schaffen, in dem wenn auch zu weiten Teilen nicht persönlich individuell, so doch sehr konkret über sexuelle Erfahrungen geredet werden kann. Jugendliche sind an Informationen über reale sexuelle Erfahrungen interessiert. Erst wenn sie diese nirgends sonst bekommen, greifen sie – in der Annahme, dort realitätsnahe Informationen zu finden – auf SEIM als Informationsquelle zurück.
Unter einem geschützten Rahmen verstehen wir einen Rahmen, der es Jugendlichen erlaubt über die eigene Sexualität so zu reden, dass dabei ihre Integrität und die Intimität der sexuellen Erfahrungen gewahrt bleibt.

Was den Konsum von SEIM anbelangt, so ist der Rahmen und die Atmosphäre unserer Veranstaltungen so gewählt, dass Jugendliche ihre Fragen zu SEIM stellen können und dass wir methodisch wie inhaltlich so darauf eingehen, dass sie das in SEIM gezeigte für sich einschätzen und bewerten können, um so einen verantwortungsbewussten und selbstbestimmten Umgang damit zu erlernen.
Dies tun wir sicher nicht dadurch, dass wir den Konsum von SEIM dramatisieren oder verharmlosen, sondern dadurch, dass wir ihn ernst nehmen in eben den Erfahrungen, die Jugendliche damit machen und in eben den Fragen und Ängsten, die sich für Jugendliche daraus ergeben.
(....)
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