Beschneidung (Zirkumzision) aus juristischer Sicht

Wir sehen uns in unserer schon vor Jahren formulierten kritischen Haltung gegenüber der Vorhautbeschneidung bestätigt.

Wie Dr.jur. H. Putzke und Mitarbeiter von der juristischen Fakultät der Universität Bochum in ihrer Arbeit im Deutschen Ärzteblatt 2008; 105(34-35) ausführlich begründen, stellt eine Beschneidung nicht einwilligungsfähiger Jungen einen ungerechtfertigten Eingriff in die körperliche Integrität dar, also eine Körperverletzung im strafrechtlichen Sinn, und zwar auch dann, wenn religiös-rituelle Gründe bestimmend sind. Denn der Schaden für das Kind durch den irreversiblen Verlust der Körpersubstanz, Verlust von Empfindungsvermögen und die Risiken von Verletzungen und Spätfolgen wie Meatusstenosen in bis zu 32% der Fälle und mögliche psychische Folgen überwiegen eindeutig gegenüber möglichen hygienischen oder ästhetischen Vorteilen einer Zirkumzision. Selbst bei Vorliegen einer beträchtlichen Vorhautverengung ist eine Beschneidung noch lange nicht indiziert, denn in etwa 95% der Fälle kann diese auch durch Salbenanwendung wirksam behandelt werden. Ebenso sind von verschiedenen Seiten vorgetragene hygienische Begründungen für die Zirkumzision zumindest in unseren Breiten nicht gerechtfertigt. Die entsprechende Wirkung kann ganz einfach durch Waschen erreicht werden. Auch Infektionsdaten aus Kenia und Uganda, die einen gewissen Schutz vor Übertragung von HIV durch die Beschneidung zeigten, sind für unsere Verhältnisse nicht relevant.

So bleibt angesichts der ungünstigen Bilanz dem Juristen nur die Warnung an alle Ärzte, sich an nicht medizinisch indizierten Beschneidungen bei nicht einwilligungsfähigen Knaben nicht zu beteiligen, um sich nicht der Körperverletzung gemäß §223 StGB schuldig zu machen.
Dr.med.R. Burr

Artikel von Dr.H.Putzke im Deutschen Ärzteblatt (PDF)...